Djerba
Djerba, die größte Insel Nordafrikas (Ausdehnung von Ost nach West ca. 28 km, von Nord nach Süd ca. 22 km) mit ca. 120.000 Einwohnern zählt wegen ihrer ausgedehnten Sandstrände, dem angenehmen Klima und den malerischen Orten zu den bedeutendsten Urlaubszentren Tunesiens. Die ersten Bewohner waren die Berber. Auch heute gehören die meisten Bewohner den Djerbi, einer Restgruppe der ursprünglichen Berber, an. Sie sind Moslems und sprechen teilweise noch ihren alten Berber-Dialekt. Unter Ihnen leben ca. 2.000 Juden. Die Insel hat keine Quellen. Sie wird durch 4.000 Brunnen und 2.000 Zisternen bewässert. Wasser wird zusätzlich in dicken Betonröhren über den Römerdamm zur Insel geleitet. Auf Djerba gedeihen Oliven, Feigen, Pfirsiche, Aprikosen, Äpfel und Hülsenfrüchte. Für den Tourismus ist die Insel ein wichtiges Reiseziel, da es hier sehr viele Touristenanlagen gibt. Besonders Wassersportler schätzen die Insel wegen der hervorragenden Möglichkeiten für sämtliche Aktivitäten auf und am Wasser. Erreichen kann man die Insel sowohl mit der Fähre, über einen Damm oder mit einem Flugzeug. Schon im 9. Jh. v.Chr. schrieb Homer von einer Insel in der kleinen Syrte, deren friedliche Einwohner sich von den honigsüßen Früchten einer dort wachsenden Lotusart ernährten; die Gefährten des listenreichen Odysseus vergaßen nach dem Genuss des süßen Lotos Vaterland und Heimkehr. Die "Lotusesser", die Lotophagen, aßen sicherlich vom süßen Johannisbrot, vielleicht waren es auch die kugeligen, kirschgroßen, wohlschmeckenden Früchte des Judendorns, bei den Arabern Nabka genannt. Um 1000 v.Chr. müssen phönizische Seefahrer an der Küste der damals Meninx genannten Insel gelandet sein und Handelsfaktoreien eröffnet haben. Aus dem Namen einer Faktorei, Girba wurde später Djerba. Das alles ist freilich Legende. Die Römer, und damit setzt die geschichtliche Überlieferung ein, erbauten den Ort Meninx im Inselsüden, unweit des Dammes vom Festland, vermutlich auf phönizischen Ursprüngen. Noch fehlen Ausgrabungen, die Klarheit schaffen könnten. Nicht mehr als fromme Legende ist wohl auch die von den Juden auf Djerba verbreitete Version, sie seien um 590 v.Chr. der Babylonischen Gefangenschaft hierher entkommen. Wahrscheinlicher ist, dass sie erst nach der Tempelzerstörung des Titus kamen, also 660 Jahre später. Damit sind wir in unserer Zeitrechnung. Immer wieder drangen Eroberer auf die friedliche Insel. Um 650 n.Chr. die Araber, die den Islam verbreiteten, vom Mittelalter bis zum 16. Jh. die Türken, Spanier und schließlich die Korsaren des Mittelmeeres. Der osmanische Admiral und Pascha von Tripolis, Dragut, machte sich dadurch unvergesslich, dass er 1560 dreißig Karavellen der Flotte Philipps II unter den Mauern der spanischen Festung in Djerbas Hauptstadt Houmt Souk verbrennen, 5.000 Mann der spanischen Garnison niedermetzeln und aus ihren Gebeinen einen grausigen Schädelturm am Hafen errichten ließ.
